Hommage an Stanislav Lem (1921-2006)

"Borderless Split Brain"
ist eine Forschungsreise in das Bewusstsein des Menschen, das sich aufspaltet in logische Gedankengänge und unlogische Assoziationssprünge, die wie Ebbe und Flut kommen und gehen und wie ein flüchtiger Traum unser tägliches Sein durchweben.
Es ist ein Stück zwischen Tanz und Theater, zwischen links und rechts, zwischen Osten und Westen.
Es ist ein Stück, wo Tanzsysteme miteinander ringen. Auf der einen Seite der Butoh-Tanz, der "Tanz der Seele" des modernen japanischen Ausdruckstanzes, auf der anderen Seite der moderne klassische Tanz der westlichen Welt. Wir wissen nicht, wie dieser Ringkampf ausgeht, wir kennen nur die Frage, die wieder einmal in das Geschehen eingreift: Wer bin ich und wie viele eigentlich?

Inspiriert durch eine Geschichte von Stanislaw Lem, in der einer Person durch einen Unfall die rechte Gehirnhälfte von der linken getrennt wird, bringt Minako Seki "Die Verdoppelung" als figurenreiches Tanztheater auf die Bühne.
Es geht um Wahrnehmung, um Abbildung, um Teilung, um rechts und links, um Licht, Schatten, Sein und Bewusstsein.

<< Niemand kann sich in meine Lage einfühlen. Das ist unmöglich. Ich kann nicht einmal behaupten, dass es meiner zwei gibt, denn wenn man es richtig bedenkt, ist auch das nicht wahr. Es gibt meiner zwei, das heißt geteilt bin ich nur teilweise, weil ich es nicht in jeder Situation bin.
Schreiben kann ich mit großer Mühe, ich tippe nur mit der rechten Hand, die linke musste ich an die Stuhllehne binden, weil sie dagegen war. Sie riss das Papier aus der Maschine, ließ sich durch keine Argumente beschwichtigen, und beim Festbinden schlug sie mir ein Auge blau. Das ist eine Folge der Verdoppelung. Die rechte Hand wird von der linken Hemisphäre des Gehirns gelenkt. Die rechte Hemisphäre aber hat etwas dagegen, was daraus zu schließen ist, dass sie mich am Tippen stört. Das ist schrecklich verwirrend. Ich kann nicht sagen,
dass ich etwas bin oder tue, sondern bloß meine linke Gehirnhälfte. Mit der zweiten muss ich Kompromisse schließen, obwohl sie aggressiv, vulgär und arrogant ist. Aber ich kann doch nicht ewig mit einer angebundenen Hand dasitzen....>>
Aus "Die Verdoppelung" von Stanislaw Lem

Criss-cross: Dance through the split brain

"Borderless Split Brain" - current production of Minako Seki - is a research journey into the human consciousness. Split in logical thoughts and illogical associations it penetrates our life like the tides, like a fleeting dream. The production oscillates between dance and theatre, left and right, east and west. It is a piece of struggling dance systems. On one side Japanese Butoh - "expression of the soul" -, on the other the contemporary dance of the western world. We don't know who will be the winner of this wrestling bout. We only know about the question that is influencing the events: Who am I and how many am I actually? Inspired by a story by Stanislaw Lem where a man's brain is split into left and right by an accident Minako Seki puts "The duplication" on stage as a dance theatre piece full of images and associations. It's about perception, illustration, division, left and right, light, shadows, reality and illusion, existence and consciousness.

"I can't say that I am or I am doing something. It's only the left half of my brain. With the second one I have to compromise." Stanislaw Lem: The Duplication

 
Minako Seki


www. minakoseki.com



medienabeit
Damaris Stengel, Stefan Hirtz
Schliemannstr. 2, 10437 Berlin
Fon (030) 440 10 720
Fax (030) 280 81 61
mail@artefakt-berlin.de

Pressedownloads unter:

www.artefakt-berlin.de






   
mit:

Minako Seki (Tanz und Regie),
Jasmine Morand (Tanz),
Martina Heim (Tanz),
Andre M. Schober (Tanz),
Alexander Sieber (Tanz)
Jiska Morgenthal (Tanz)

Zam Johnson (Musik und Komposition)
Mido Kawamura (Kostümbild)
Henrik Ahr (Bühnenbild)
Uwe Renken (Lichtdesign)
Wulf Jahn (Technik)
Nils Willers (Produktionsleitung)


Spieltermine:

Samstag, 06.05.2006
20:30 Uhr

Prinz Regent Theater Bochum
und
Freitag, 26.05.2006
20:30 Uhr

Tanzräume, Festival Hagen
mit
Borderless Split Brain


Uraufführung in Berlin von Borderless Split Brain am
Mittwoch, 13.04.2005
in der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32

Bisherige Spieltermine:

Do., 14.-So., 17.04.05 Werkstatt der Kulturen
Do., 21.-So., 24.04.05 Ballhaus Naunynstr.
Naunynstr. 27 in Kreuzberg,
www.kulturamt-friedrichshain-kreuzberg.de



Fotos von Marcus Lieberenz

Weitere Informationen unter
www.minakoseki.com

 

 

Borderless Split Brain wurde gefördert
durch den Hauptstadtkulturfonds

Wir danken der Werkstatt der
Kulturen

und dem Ballhaus Naunynstr.
für die Kooperation.

   





Der bewegte Tänzer

Berliner Morgenpost vom 13.04.2005 von Constanze Klementz

Minako Seki ist eine Instanz im Butoh in Europa. Seit 1986 lebt sie in Berlin, hat mit dem Ensemble ,taoeba" und später als freie Choreographin ihre zeitgenössische Variante des japanischen Tanzes, die gar Einflüsse des deutschen Ausdruckstanzes aufnahm auf Tourneen und in Workshops von Norwegen bis Chile in der halben Welt gezeigt. Ihren Stil nennt Seki "Dancing Between". Das "Between", das "Dazwischen" ist wichtigster Aktionsraum. Sie sieht den Tänzer nicht stehen, sondern hängen. Statt sich zu bewegen, wird er bewegt von Schwingungen zwischen Erdmittelpurikt und Universum". Große Worte, doch Minako Seki sucht große Themen. Seit langem beschäftigt sie sich mit dem Gehirn, auch ein "Dazwischen", wenn man Denken und Handeln als Ergebnis des Austauschs zwischen den Impulsen der linken und der rechten Hirnhälfte betrachtet. In der einen verorten die Neurologen das logische Denken, in der anderen das freie Assoziieren. In Sekis neuem Stück "Borderless Split Brain" steckt beides symbolisch im Bühnenbild: Es gibt sicheren Boden, aber auch eine schiefe Ebene, die Dinge und Körper ins Rutschen bringt. Inspiriert ist das Projekt durch eine Erzählung von Stanislaw Lem. In "Die Verdopplung" verlieren die Hirnhälften der Hauptfigur den Draht zueinander. Da fällt die eine Hand der anderen schon mal in den Arm, weil Links und Rechts andere Pläne mit dem armen Protagonisten haben: "Wer bin ich und wie viele eigentlich?" Beteiligt sind Tänzer mit unterschiedlichem Hintergrund: Ballett, Modern Dance, Kampfsport oder Geräteturnen und natürlich auch Butoh, denn Minako Seki steht mit auf der Bühne.

 

   


Minako Seki


geboren in Nagasaki. Ab 1985 tanzt sie in Tokio sie bei der Company "Dance Love Machine", mit der sie 1986 auf Einladung des Künstlerhauses Bethanien nach Europa kommt. Sie bleibt in Berlin und mitbegründet 1987 "tatoeba Theatre Danse Grotesque", erstes japanisch deutsches Butohensemble, das auch international Bekanntheit erlangt.
Seit 1996 verstärkt sie weltweit ihre Arbeit als Regisseurin und Choreographin in genreübergreifenden Theaterprojekten. Zur Zeit hat sie mit ihrem Ensemble vier aktuelle Stücke im Repertoire. Neben Butoh baute Minako in ihren Tanz verschiedene Tanzformen wie Contact Dance, Break Dance, Capoeira, Tango etc. ein und entwickeltedamit eine eigene Tanztechnik, die sie "Dancing Between" nennt.

Jasmine Morand

geboren in Zürich, absolvierte zunächst eine Ausbildung im klassischen Tanz in Genf und war danach in verschiedenen Ballettcompanys, z.B. am Opernhaus Zürich und beim Nationalballett Lorraine in Frankreich engagiert. 2000-2002 studierte sie an der Rotterdam Dance Academy Modernen Tanz. Seitdem arbeitet sie als freie Tänzerin und Choreografin in Holland, Deutschland und der Schweiz. Seit 2004 ist sie Mitglied der Minako Seki Company in Berlin.

Here Short Trailer Of Frozen By Jasmine Morand, Choreography: Minako Seki

Martina Heim

geboren in Bensheim, lebt in Berlin und Darmstadt. Sie war 10 Jahre Kunstturnerin und beschäftigte sich mit Karate, Contact Improvisation und Improvisationstheater, bevor sie sich 1999 dem japanischen Butoh-Tanz zuwandte. Seit 2000 arbeitete sie an mehreren Tanztheaterproduktionen mit und gewann 2002 den Publikumspreis der EuroScene Leipzig für das beste Tanzsolo. Seit 2002 ist sie Mitglied bei Minako Seki Company und gründete im gleichen Jahr mit André M. Schober die Company bemoved, mit der sie bereits zahlreiche Stücke erarbeitete.

André M. Schober

geboren in Stuttgart, lebt in Berlin und Darmstadt. Er beschäftigte sich 10 Jahre mit Kampfkunstformen wie Taekwon Do, Wing Chun Kung Fu und Capoeira. 1996 wendete er sich dem Tanz zu. Er erlernte Contact Improvisation und Modern Dance u. a. bei Mara Borba, Keriac und Pia Andre. Mit dem Butoh-Tanz kam er 1999 das erste Mal in Berührung. Er realisiert als Tänzer und Choreograf eigene Projekte, seit 2002 ist er Mitglied bei Minako Seki Company und gründete mit Martina Heim die Company bemoved.

Alexander Sieber

geboren in Dresden, erhielt seine Tanzausbildung an der „Etage“ in Berlin und an der Rotterdam Dance Academy. Seit 1998 entwickelt er sowohl eigene Stücke (z.B. sein Solo „R.U.N.“, das er im Pfefferberg und im Dock 11 zeigte, und „Gone just like a train“ für die Potsdamer Tanznacht 2003), arbeitet aber auch mit Choreografen wie Howard Katz Fireheart, Vicente Saez, Emio Greco, Tomi Paasonen u.a.

Jiska Morgenthal

geboren in Hamburg, lebte nach einer Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel in Hamburg und einem Studium für Performing Arts in Arnheim längere Zeit in Lissabon, wo sie als Tänzerin u.a. mit Nigel Charnock, Rui Horta und José Laginha arbeitete. Ihre eigenen Stücke wurden auf verschiedenen Tanzfestivals in Portugal und Spanien präsentiert. In Lissabon arbeitete sie auch als Shiatsu-Therapeutin und ging 2003 für zwei Monate an eine Klinik nach Osaka/Japan. Den Butoh-Tanz entdeckte sie durch Workshops mit Minako Seki (Berlin) und Christine Chu (Lissabon).

Zam Johnson

geboren und aufgewachsen in Los Angeles, beherrscht alle Stile der Percussion wie Rock, Blues, Funk, Gospel, Motown und Jazz. In den späten 80er Jahren begann er mit dem Synthesizer zu arbeiten. Er komponierte Musik für Avantgarde-Filme und Tanztheater. Seit 1988 lebt er in Berlin und konzentriert sich auf seine Tätigkeit als Komponist und freier Schlagzeuger. Sein musikalisches Engagement gilt dem Theater, dem Tanz, Konzerten und der Avantgardemusik-Szene.

Henrik Ahr

geboren in Bensberg, ist Maler und erwarb 2001 sein Architektur-Diplom an der HTWK in Leipzig. Seit 2002 lebt er als Bühnenbildner und bildender Künstler in Berlin. Er stellt regelmäßig aus und arbeitet als Bühnenbildner z.B. mit Michael Thalheimer (Deutsches Theater Berlin, Thalia Theater Hamburg, Theater Basel).

Mido Kawamura

geboren in Deutschland, wuchs in Deutschland und Japan auf, studierte in Köln und arbeitet seit 1982 als Kostümbildnerin und Regieassistentin im kommerziellen Bereich (Werbung, Show, Präsentation). Seit 1990 entwickelt sie Kostüme für Tanzproduktionen, seit 2002 auch für die Produktionen von Minako Seki.

Uwe Renken

arbeitete als Beleuchter bei Radio Bremen (Fernsehstudio) und beim Film und ist Lichtdesigner für Ausstellungen, Performances, Theateraufführungen und Musikveranstaltungen. Zusammen mit Gustav Gisiger (Lichtmalerei und Projektionen) realisierte er mit den Licht-Projekten im "Dom zu Meißen" (1996) und in der "Alstädter-Nikolaikirche" in Bielefeld (1997) eine besonders sensible Lichtgestaltung und -führung. Neben der langjährigen Zusammenarbeit mit Minako Seki ist er u.a. technischer Leiter des Tanzfestivals Bremen und Lichtdesigner von Jan Pusch und Susanne Linke.

Nils Willers

wurde in Hamburg geboren. Seit 1982 lebt er in Berlin. Seine Ausbildung zum Schauspieler machte er beim Ratibortheater von 1982-85, nebenbei studierte er Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der FU-Berlin. Seit 1985 ist er professioneller Theatermacher und sammelte sich ein fundiertes Wissen in allen Bereichen und Gewerken an, die Theater ausmachen. Er spielte in mehr als 40 Theaterproduktionen an Stadttheatern, aber auch in Kirchen, Kneipen und Kellern. Er arbeitet als Autor, Schauspieler, Dramaturg, Lichtdesigner, Techniker, Bühnenbildner und Organisator. Seit 2000 ist er organisatorischer Leiter der Minako Seki Company.

 







<< Nobody can feel my situation. This is impossible. I can't say, that two of mine are exist, because if you think in the right direction, also this is not true. There are two of mine existing, that means I am divided only partly, because I am not divide in every situation. Indeed writing I can only partly, with big trouble, I type only with my right hand, the left I must fetter at the back of the chair, because she was against it. She snatched the paper out of the machine, wasn't open to any argument and when I try to put she in irons she beat me one eye blue. This is the result of the doubling.... The right hand will be guide from the left hemisphere of the brain. This is the reason, why I said, that I can only type partly. The right hemisphere has something against it, what I can conclude that she try to interrupt me to type. This is terrible confusing. I can not say, that I am or I am doing something, it is only the left half of my brain. With the second half I must make a compromise, because I can't sit here for all time with a fitting hand. I tried to calm down the right hemisphere in different ways, but it was not in vain. She is absolutely impertinent. Aggressive, vulgar and arrogant. Lucky, that she can't read everything. Only definite idioms and expressions, bestly the substantives. Verba and adjectives she can't understand very good, so I must, because she is looking on that, what I am writing, express myself in a way, that I don't anger her. To do this in a right way, I don't know. By the way nobody knows, why the whole well-bred education is settle down at the left hemisphere....>> From "TheDuplication" by Stanislaw Lem